Stra­te­ge mit mis­sio­na­ri­schem Herz

Der frü­he­re In­spek­tor des Chri­scho­na-Ge­mein­schafts­werks, Rai­ner Geiss, ist im Al­ter von 73 Jah­ren ge­stor­ben, er hin­ter­lässt sei­ne Frau Ruth, drei Kin­der und acht En­kel­kin­der. Mit gro­ßer Be­trof­fen­heit ha­ben wir er­fah­ren, dass Rai­ner Geiss in Fried­richs­dorf, wo er zu­letzt ge­wohnt hat, von Gott am 4. Ad­vent 2020 in die Ewig­keit ab­be­ru­fen wor­den ist. Wir trau­ern um ihn, der auch als eine Schlüs­sel­per­son im Reich Got­tes für die Wei­ter­ent­wick­lung un­se­res Ge­mein­schafts­wer­kes in ei­ner we­sent­li­chen Pha­se Ent­schei­den­des bei­getra­gen hat.

Nach dem Schul­ab­schluss ließ sich Rai­ner Geiss zum Ma­schi­nen­bau­tech­ni­ker aus­bil­den. Er ab­sol­vier­te den Mi­li­tär­dienst und er­lern­te zu­sätz­lich den Be­ruf des EDV-Tech­ni­kers. Von 1973 bis 1977 ab­sol­vier­te Rai­ner Geiss das Theo­lo­gie­stu­di­um am da­ma­li­gen Pre­di­ger­se­mi­nar St. Chri­scho­na in der Schweiz. Nach sei­ner Or­di­na­ti­on war er bis 1985 als Ge­mein­schafts­pas­tor in der Stadt­mis­si­on Kon­stanz und als Ge­fäng­nis­seel­sor­ger tä­tig. In die­se Zeit fällt auch sei­ne Wei­ter­bil­dung zum Re­li­gi­ons­leh­rer. 1985 – 1997 wur­de er Pfar­rer der Evan­ge­li­schen Per­so­nal­kir­chen­ge­mein­de Frank­furt Nord-Ost. Die Lei­tung des Chri­scho­na-Ge­mein­schafts­wer­kes und der Stadt­mis­si­ons­ar­beit im süd­li­chen Afri­ka (ESSA) über­nahm er ab 1998 bis zu sei­nem Ru­he­stand Ende 2011. Er war Mit­glied im Lei­tungs­team der Pil­ger­mis­si­on St. Chri­scho­na und nahm zahl­rei­che eh­ren­amt­li­che Tä­tig­kei­ten, z. B. als Vor­sit­zen­der des Christ­li­chen Hilfs­bun­des im Ori­ent, Auf­sichts­rats­mit­glied beim ERF und Vor­stands­mit­glied im Ev. Gnadau­er Ge­mein­schafts­ver­band, wahr.

Un­ter Got­tes Führung

Rai­ner Geiss trug drei­zehn Jah­re die Ver­ant­wor­tung als In­spek­tor für das Chri­scho­na-Ge­mein­schafts­werk und der an­ge­schlos­se­nen Zwei­ge. Bei sei­nem Amts­an­tritt im Jahr 1998 for­mu­lier­te Rai­ner Geiss sein An­lie­gen: „Ich will mich täg­lich der Barm­her­zig­keit mei­nes Herrn emp­feh­len und aus der er­fah­re­nen Barm­her­zig­keit her­aus Sä­e­mann und Hir­te sein“. Bei­de Bil­der ste­hen für sein Ver­trau­en in das Wir­ken und die Füh­rung Got­tes und die Ab­hän­gig­keit von ihm. Des­halb ge­hör­te auch Neu­es wa­gen zu sei­ner Leiterschaft.

Ein mis­sio­na­ri­sches Herz

Gott eh­ren durch Ver­trau­en – das buch­sta­bier­te Rai­ner Geiss in sei­ner An­fangs­zeit als In­spek­tor durch, als er am Her­zen ope­riert wer­den muss­te. In die­ser Zeit war das gan­ze Chri­scho­na-Ge­mein­schafts­werk in der Für­bit­te für ihn und sei­ne Fa­mi­lie ver­bun­den. Gott schenk­te Gna­de und er konn­te sei­nen Dienst wei­ter­hin tun. So er­leb­te Rai­ner Geiss in der Zeit sei­nes Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes in Leip­zig eine gro­ße Be­trof­fen­heit über die geist­li­che Si­tua­ti­on die­ser Stadt und Ost-Deutsch­lands. Kurz nach sei­ner Ent­las­sung aus dem Kran­ken­haus mach­te sich eine klei­ne De­le­ga­ti­on auf den Weg mit sei­nem Mot­to: „Wir wol­len ler­nen und schau­en, wo wir hel­fen kön­nen.“ Seit­dem hat sich durch sei­ne In­itia­ti­ve ei­ni­ges in den Or­ten Prenz­lau und Schwedt als nörd­lichs­ter Wir­kungs­kreis des Wer­kes ent­wi­ckelt.
Noch im Ru­he­stand ar­bei­te­te Rai­ner re­gel­mä­ßig in die­sen Ge­mein­den und ge­stal­te­te mis­sio­na­ri­sche Ver­an­stal­tun­gen mit.

Ver­netzt und vorwärtsorientiert

Rai­ner Geiss war ein ver­netzt den­ken­der und han­deln­der Mensch. Sein ent­schlos­se­nes Auf­tre­ten führ­te in so man­cher Si­tua­ti­on zu ra­scher Klä­rung. In Dis­kus­sio­nen war er ein ge­schätz­tes Ge­gen­über. Sei­ne be­ruf­li­chen Er­fah­run­gen in der Zeit au­ßer­halb des Chri­scho­na-Ge­mein­schafts­wer­kes tru­gen zu ei­ner Weit­sicht („Das Reich Got­tes ist grö­ßer als Chri­scho­na!“) und ei­nem ge­win­nen­den Quer­den­ken bei. Schon bald er­kann­te Rai­ner Geiss, dass eine Um­struk­tu­rie­rung auf der Lei­tungs­ebe­ne des CGW er­for­der­lich sei. Aus den ehe­mals acht klei­ne­ren CGW-Re­gio­nen wur­den zwei gro­ße ge­bil­det, in de­nen zwei haupt­amt­li­che Re­gio­nal­lei­ter tä­tig wur­den. In der Be­glei­tung von Men­schen för­der­te Rai­ner Geiss im­mer wie­der, dass es Men­schen ge­lang, ihre Be­ru­fung zu fin­den und zu le­ben. Er war Mit­in­itia­tor für den Ed­gar Schmidt Fonds, der Stu­die­ren­de aus Deutsch­land fi­nan­zi­ell bei ih­rem Stu­di­um am Theo­lo­gi­schen Se­mi­nar St. Chri­scho­na un­ter­stütz­te. Aber bei al­lem stra­te­gi­schen Den­ken schlug sein Herz für die Ver­kün­di­gung. Hier lief Rai­ner Geiss in Hoch­form auf und brach­te we­sent­li­che Aus­sa­gen der Bi­bel le­bens­nah auf den Punkt.

Wach­sen­des Werk

Sein Vor­trag zur The­ma­tik „Wir sind ein wach­sen­des Werk – Die Zu­kunft ge­win­nen“ bei der De­le­gier­ten­versammlung in 2010 weist uns bis heu­te mit we­sent­li­chen Fra­gen und An­lie­gen den Weg. Ge­ra­de die Au­ßen­di­men­si­on un­se­res Wer­kes war Rai­ner Geiss sehr wich­tig. Kaum eine Ge­mein­de wur­de bei ei­nem sei­ner Be­su­che nicht mit der Fra­ge kon­fron­tiert: „Wozu braucht es euch als Ge­mein­de hier in die­ser Stadt?“ Wo er konn­te, säte er das mis­sio­na­ri­sche Denken. 

Wir trau­ern um Rai­ner Geiss und dan­ken Gott für un­se­ren Bru­der. Eben­falls gilt un­ser Dank sei­ner Ehe­frau Ruth und der ge­sam­ten Fa­mi­lie, die sei­nen Dienst viel­fach er­mög­lich­ten. In un­se­re Für­bit­te schlie­ßen wir sie und in die­ser Zeit des Ab­schieds be­son­ders ein.

Wie­land Mül­ler
Vor­sit­zen­der CGW e. V.

Jos Tromp
Re­gio­nal­lei­ter CGW e. V.